KARAT

 

Von Kultband über Edel- bis Ostrocker: Es gibt viele Schubladen, in die diese Formation gesteckt wurde. Das Schöne daran ist, dass sich Karat diesen Einengungen nie ergeben hat. Dass die Band das eine wie das andere ist und dennoch nicht nur das eine oder andere sein wollte und will. Das wird gerade im Jubiläumsjahr 2010 deutlich. 35 Jahre Karat heißt nicht nur, zu feiern und sich feiern zu lassen. Heißt nicht nur, unvergessene Hits wie „Über sieben Brücken“, „Albatros“, „Schwanenkönig“ oder „Der blaue Planet“ zu spielen. 35 Jahre Karat bedeutet auch, Kreativität und Lust auf Neues unter Beweis zu stellen. Gleich einem Edelstein, dessen Glanz an Ewigkeit nicht verliert, durch andere Fassungen aber immer wieder lebendig und jung erscheint.

 

Mit zwei Konzerten geben Michael Schwandt (62, dr), Bernd Römer (57, guit), Christian Liebig (55, bass), Martin Becker (48, key), Claudius Dreilich (39, voc, guit) und Gast Ulrich „Ed“ Swillms (63, key) am 9. und 10. April in der Alten Oper Erfurt den offiziellen Startschuss für das Karat-Jahr 2010. Ein Jahr, das nicht nur auf Grund des Jubiläums ein ganz besonderes ist. Mit ihrem neuen, brandaktuellen Album „Weitergeh’n“ wird die Band auch auf der Bühne zeigen, dass sie mit ihrem unverwechselbaren Stil immer auf der Höhe der Zeit ist, ohne sich dem all zu flüchtigen Zeitgeist zu unterwerfen.

Das Album ist Ausdrucklust- und kraftvoller Aufbruchstimmung. Mit den dreizehn neuen Songs, die ausschließlich von Martin Becker und Claudius Dreilich komponiert wurden, schlägt Karat neue Töne an, ohne jedoch seine Wurzeln zu verleugnen. So finden sich neben Rockigem wie die Single-Auskopplung „Weitergeh’n“ oder das mitreißende „Steh wieder auf“ auch Songs wie „Berlin“ oder „Für mich“ auf dem Album, die den Bogen schlagen hin zu den großen Balladen, für die Karat noch heute und zu Recht gefeiert wird. Das in den Enterprise Studios in Berlin produzierte Album markiert nicht nur das Ende einer schöpferischen Pause, sondern ist eindrucksvoller Beweis für das kreative Potential der Band.

 

Kurz vorher, am 19. März, erscheint pünktlich zur Leipziger Buchmesse „Karat – Über sieben Brücken musst du gehn“  (22 Euro, Verlag Das neue Leben). Autorin Christine Dähn lässt die Musiker und ihre Managerin, Adele Walther, über sich und ihre Kollegen zu Wort kommen und damit auf ganz unmittelbare und spannende Art und Weise 35 Jahre Karat lebendig werden.

 

Bandgeschichte

 

Am 22. Februar 1975 feiert Karat im sächsischen Pirna Bühnen-Premiere. In der Besetzung Henning Protzmann (bass), Ulrich Pexa (guit), Hans-Joachim Neumann (voc), Konrad Burkert (drums), Ulrich Swillms (key) und Herbert Dreilich (voc, guit) erspielt sich die Band schnell eine wachsende Fangemeinde. Im Juni 1976 stoßen Bernd Römer und Michael Schwandt (für Pexa und Burkert) zu Karat, ein Jahr später wird Herbert Dreilich nach dem Ausscheiden von Hans-Joachim Neumann alleiniger Sänger.

 

1978 gewinnt Karat mit den Titeln „König der Welt“ und „Über sieben Brücken“ den Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival in Dresden. Der Durchbruch ist geschafft. In den Folgejahren etabliert sich Karat durch Alben wie „Albatros“, „Schwanenkönig“ oder „Der blaue Planet“ als Spitzenband deutschsprachiger Rockmusik. Zahlreiche Auslandstourneen, zwei Goldene Schallplatten in der BRD, die Goldene Europa 1986 und weltweit mehr als 10 Millionen verkaufte Alben zeugen von der außerordentlichen Strahlkraft und Popularität der Band weit über die Grenzen ihrer Heimat hinaus. Daran ändert sich auch nichts, als Mitgründer Henning Protzmann im April 1986 Karat verlässt. Für ihn kommen Christian Liebig als Bassist und Adele Walther, als Managerin in die Band.

 

Ihre erste Krise erlebt die Gruppe Karat mit der Wende. Zwar wird der Hit „Über sieben Brücken“ in der von Peter Maffay und Herbert Dreilich eingesungenen Version 1989/90 zur Radio-„Hymne des Jahres“, doch die beiden Alben „Im nächsten Frieden“ (Frühjahr 1990) und „Karat“ (1991) finden beim Publikum kaum Resonanz. Keyboarder Thomas Kurzhals (seit 1984 in der Band) steigt aus, er wird Anfang 1993 durch Martin Becker ersetzt.

 

In die Erfolgsspur findet Karat 1995 mit dem Studio-Album „Die geschenkte Stunde“ zurück. Selbst den Schlaganfall Herbert Dreilichs im Oktober 1997 verkraftet die Band. Bereits 1998 kämpft und singt sich die Stimme Karats wieder auf die Bühne. Zwei Jahre später feiert Karat 25-jähriges Bandjubiläum, 2003 erscheint das bislang letzte und hoch gelobte Album „Licht und Schatten“.

 

Als sei dieser Titel ein Omen, erlebt die Band nun den dunkelsten Teil ihrer Geschichte. Im Sommer 2003 wird bei Herbert Dreilich zunächst ein Magengeschwür, dann Leberkrebs diagnostiziert. Alle Vorhaben zum 30-jährigen Jubiläum werden abgesagt. Als Dreilich am 12. Dezember 2004 im Alter von 62 Jahren seinem Krebsleiden erliegt, scheint Karat für immer verstummt. Doch hinter den Kulissen hatte sich – noch mit Zustimmung des Sängers – eine spektakuläre Entscheidung angebahnt, die im Januar 2005 schließlich offiziell wird: Herbert Dreilichs Sohn Claudius tritt das Erbe seines Vaters als Stimme von Karat an.

 

Die dunklen Schatten sind aber noch längst nicht verflogen. Weil sich Herbert Dreilich 1998 ohne Wissen seiner Bandkollegen die Rechte am Markennamen Karat patentieren ließ, versucht nun dessen Witwe, die Verwendung des Namens durch die aktuelle Formation rechtlich einschränken zu lassen. Das kann und will die Band nicht akzeptieren. Es kommt zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung, in deren Folge Karat zunächst auf den Namen verzichten muss und ab April 2006 als Gruppe K...! auftritt. Am 19. Juni 2007 urteilt das Berliner Landgericht schließlich, dass die Band wieder den Namen Karat verwenden darf.

 

Dieses Urteil ist Genugtuung und Herausforderung zugleich, nicht nur Bisheriges zu bewahren, sondern Neues zu wagen. Ausdruck dessen ist das aktuelle 12. Studioalbum „Weitergeh’n“, das pünktlich zum Jubiläumsjahr erscheint. 35 Jahre Karat – ein musikalischer Edelstein in neuer Fassung.